apertus-swiss-llm-medizin Apertus, das offene Schweizer Sprachmodell, geht 2026 in Spezialisierung
Die Schweiz hat seit September 2025 ein eigenes, vollständig offenes Sprachmodell. Apertus wurde von der EPFL, der ETH Zürich und dem Nationalen Hochleistungsrechenzentrum CSCS gemeinsam entwickelt und ist Open Source mit offenen Trainingsdaten und Gewichten verfügbar. 2026 verschiebt sich der Fokus von der allgemeinen Verfügbarkeit hin zu domänenspezifischen Varianten, eine davon zielt explizit auf die Medizin. Swisscom betreibt Apertus zusätzlich auf einer souveränen Schweizer KI-Plattform für Geschäftskunden, womit das Modell auch ohne Datenabfluss in die USA produktiv genutzt werden kann. Für Spitäler, Heime und Ausbildner ist das relevant, weil damit erstmals eine realistische, in der Schweiz gehostete Alternative zu den grossen US-Modellen entsteht.
Hintergrund
Apertus wurde Anfang September 2025 als gemeinsames Projekt der ETH Zürich, der EPFL und des CSCS in Lugano vorgestellt. Im Gegensatz zu den meisten kommerziellen Modellen sind nicht nur die Modellgewichte, sondern auch die Trainingsdaten und der Trainingscode öffentlich zugänglich. Das Modell ist mehrsprachig ausgelegt und deckt unter anderem die Schweizer Landessprachen ab. Damit verfolgt die Swiss AI Initiative das Ziel, eine technische Souveränitätsoption zu schaffen, die unabhängig von einzelnen Anbietern in den USA oder China genutzt und überprüft werden kann.
Was es für die Schweiz bedeutet
Für Schweizer Spitäler und Heime ist die Verfügbarkeit auf einer souveränen Plattform von Swisscom der entscheidende Punkt. Patientendaten müssen die Schweiz nicht verlassen, der Betrieb erfolgt unter Schweizer Recht. Das adressiert eine der grössten Hürden beim produktiven Einsatz generativer KI im Gesundheitswesen, den Datenschutz nach revidiertem DSG. Gleichzeitig öffnet die Spezialisierung auf medizinische Varianten die Tür für Anwendungen, die mit Allzweckmodellen wie ChatGPT bisher rechtlich heikel waren, etwa Unterstützung bei Berichten oder bei der Codierung von Diagnosen.
Einordnung
Apertus löst die kommerziellen Modelle nicht ab, sondern ergänzt sie um eine souveräne Option. Zu beobachten ist 2026, wie schnell die domänenspezifischen Varianten die Qualität der grossen US-Modelle in medizinischen Aufgaben erreichen und wie aktiv Spitäler die Swisscom-Plattform tatsächlich nutzen. Spannend wird auch, ob die offene Lizenzierung dazu führt, dass Schweizer Hochschulen, Spitäler und KMU eigene Feinabstimmungen veröffentlichen. Wer in einem Spital oder Heim arbeitet, sollte den Begriff Apertus auf der Liste haben, wenn als Nächstes über KI-Beschaffung gesprochen wird.
Zum Mitnehmen
- Apertus ist seit September 2025 als vollständig offenes Schweizer Sprachmodell verfügbar.
- Swisscom betreibt eine souveräne Schweizer KI-Plattform mit Apertus für Geschäftskunden.
- 2026 stehen domänenspezifische Varianten im Fokus, eine davon für die Medizin.
- Für Spitäler entsteht damit eine Option, die unter Schweizer Recht und ohne Datenabfluss läuft.
- Beschaffungs- und Datenschutzgespräche sollten Apertus als Alternative zu US-Modellen mitdenken.
- ETH Zürich, Pressemitteilung Apertus ethz.ch
- Swisscom, Apertus auf souveräner Schweizer KI-Plattform swisscom.ch
- SWI swissinfo.ch, KI in der Schweiz 2026 swissinfo.ch