EU AI Act, Zwischenbilanz nach 18 Monaten
Seit August 2025 ist der EU AI Act in Kraft. Was bedeutet das fuer Schweizer KMU heute, und welche Pflichten greifen ab August 2026?
Der EU AI Act ist seit dem 2. August 2025 in Kraft. Heute, 18 Monate spaeter, sehen wir was wirklich passiert und wo die naechsten Pflicht-Daten liegen.
Was bereits gilt
Verbotene KI-Praktiken (Artikel 5) sind seit Februar 2026 durchsetzbar. Konkret weg sind:
- Social Scoring durch Behoerden
- Echtzeit-Gesichtserkennung im oeffentlichen Raum (mit engen Ausnahmen)
- Manipulative KI mit “vulnerablen Personen” (Kinder, kognitiv eingeschraenkte Erwachsene)
- Emotion-Erkennung am Arbeitsplatz und in Schulen
KI-Kompetenz-Pflicht (Artikel 4) gilt seit Februar 2026 fuer alle Anbieter und Nutzer von KI im Geschaefts-Kontext. Das heisst: deine Mitarbeitenden muessen geschult sein, wenn sie KI im Job nutzen. Das ist kein Soft-Wunsch, das ist Gesetz.
Was im August 2026 dazu kommt
General-Purpose AI Modelle (GPAI, Artikel 53 ff.): OpenAI, Anthropic, Google, Mistral muessen ab August 2026 technische Dokumentation, Trainings-Daten-Zusammenfassungen und Urheberrechts-Compliance vorweisen. Fuer dich als Nutzer indirekt: die Anbieter passen ihre Vertraege an.
Hochrisiko-KI (Anhang III): Personalauswahl, Kreditpruefung, Bildungs-Bewertung, Gesundheits-KI. Wenn du KI in einem dieser Bereiche einsetzt, brauchst du ab August 2026 ein Konformitaetsverfahren. In der Praxis: viele Personalauswahl-Tools werden aus dem Schweizer Markt verschwinden, weil die Anbieter die Pflichten nicht erfuellen wollen.
Was Schweizer Firmen heute tun sollten
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KI-Inventar erstellen: welche Tools nutzt deine Firma, welche Datenkategorien fliessen rein. Das ist auch Datenschutz-Pflicht, hilft beim AI Act doppelt.
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Mitarbeiter-Schulung dokumentieren: nicht nur “wir haben jemanden geschickt”, sondern wer, wann, was, mit Bestaetigung.
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Hochrisiko-Anwendungen identifizieren: nutzt ihr KI fuer HR, Kredit-Scoring, Gesundheits-Einschaetzung? Wenn ja, jetzt mit dem Anbieter klaeren, ob er konformitaetsbewertet sein wird.
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Vertragspakete pruefen: SaaS-Vertraege haben oft Klauseln zur Compliance. AI Act sollte explizit erwaehnt sein.
Schweizer Position
Die Schweiz ist nicht EU, hat den AI Act also nicht direkt. ABER: Der Bundesrat hat im Maerz 2025 entschieden, sich am EU AI Act zu orientieren und eine eigene “schlanke” Regulierung zu pruefen. Bis 2027 erwarten wir ein Bundesgesetz, das vermutlich 80 Prozent des EU AI Acts uebernimmt mit Schweizer Spezifika.
In der Praxis: viele CH-Firmen beachten den EU AI Act ohnehin, weil sie EU-Kunden haben oder EU-Niederlassungen. Wer das ignoriert, wird ab 2027 Marktnachteile haben.
Was wir in den Kursen sagen
In den Klubschule-Kursen empfehle ich: nicht warten. Die KI-Kompetenz-Pflicht ist heute schon Gesetz, und sie ist leicht umsetzbar. Schulungs-Programm, Dokumentation, regelmaessige Updates. Wer das hat, ist fuer 90 Prozent des AI Acts fertig, ohne sich tief in die Hochrisiko-Klassifizierung einarbeiten zu muessen.
Take-aways
- AI Act gilt schon - die KI-Kompetenz-Pflicht ist seit Februar Gesetz.
- August 2026 wird scharf - Hochrisiko-KI braucht Konformitaet, GPAI-Dokumentation kommt.
- Schweizer Firmen sind betroffen via EU-Geschaeft, plus eigenes CH-Gesetz folgt 2027.
- Schulung ist die einfachste Compliance-Massnahme - billig, dokumentierbar, Pflicht.